Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten

Das verdrängte Geschlecht.

Rezension zu Virginia Woolfs »A Room Of One’s Own«

Inhaltswarnungen zum Buch:

Keine.

»Give her a room of her own and five hundred a year, let her speak her mind and leave out half that she now puts in, and she will write a better book one of these days. She will be a poet, I said, … in another hundred years‘ time.« (S. 77)

Vergessen und Verdrängt.

In den vergangenen Jahrzehnten wuchs das Interesse an Schriftstellerinnen kontinuierlich. Die Tatsache, dass die Hälfte der Bevölkerung in der Literatur fast gänzlich vergessen wurde – und auch heute noch häufig vergessen wird – hinterließ Spuren. Ein knappes Jahrhundert ist es nun her, dass Virginia Woolf danach gefragt wurde, einen Essay über »Women in Fiction« zu verfassen, über Frauen in der fiktiven Literatur. Nur, wo sollte sie beginnen, welche Themen waren wichtig anzusprechen, schließlich war der äußere Rahmen eines solchen Essays durchaus begrenzt, konnte er doch nicht endlos lang sein. Also setzt sich die Autorin eines Tages hin und begann zu schreiben…

Wie viele Jahrhunderte, ja Jahrtausende gar fehlte Frauen eine Stimme, die ihre Perspektive vertrat, die darüber erzählte, was sie auszuhalten hatten, welche Hürden ihren Weg zur Emanzipation versperrten. Virginia Woolf schrieb über Armut, über das Fehlen wichtiger Freiheiten, die zur schöpferischen Arbeit unablässig seien. Sie schrieb über die männliche Vorherrschaft in der Literatur und darüber hinaus, aber auch über die weiblichen Vorreiterinnen, die gegen alle Widerstände zu Tinte und Feder griffen und die Wörter zu Papier brachten. Es ist ein recht langer Essay, der die Perspektive einer nach wie vor aktuellen Thematik von vor circa hundert Jahren aufzeigt, als das Wahlrecht für Frauen noch nicht überall in Europa erstritten war, als Ehefrauen noch Eigentum des Mannes waren und von eigener Erwerbstätigkeit noch weit entfernt. Die Kämpfe zu Woolfs Zeiten waren andere, dennoch sind sie unvergessene Vorboten der aktuellen Auseinandersetzungen.

Die Kritik.

Trotz dessen bleiben bei dem Essay viele Baustellen offen, die zumindest aus heutiger Sicht den Wert des Ganzen schmälern. So wird viel Zeit und Raum innerhalb des Textes genutzt, um über Männer und deren Stellung zu schreiben. Sicherlich bedingt das eine das andere und man kann – zumal in den 1920er Jahren – keinen Text über Frauen in der Literatur schreiben, ohne zumindest kurz darauf einzugehen, mit welchem scheinbar gottgegebenen Recht Männer ihren Platz einnahmen und Frauen ihr Platz verwehrt wurde. Die Geschichte weiblicher Literatur war stets eng verbunden mit jener der Männer in der Literatur. Doch trotz dessen gibt Virginia Woolf viel Platz in ihrem Essay an Männer ab, der eigentlich anders und sinnvoller hätten genutzt werden können.

Das Fazit.

Am Ende ist es ein Essay, der ohne Zweifel wegweisend für emanzipatorische Kämpfe innerhalb der Literatur war, aber einiges an Glanz verlor, indem er in seinen begrenzten Raum einen falschen Fokus setzte. Woolf ist einer der großen Namen der Weltliteratur und sollte unbedingt gelesen werden. Ob es nun ausgerechnet ihr Essay sein muss, bleibt offen. Es war ein kurzes Buch, das nicht das erzielen konnte, was es sich vornahm. So bleibt es als mittelmäßiges Werk im Kopf, ohne dass viel Neues vermittelt wurde.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um unbezahlte Werbung.

Das Buch erschien im Juli 2020 im Penguin Verlag.

Werbung
%d Bloggern gefällt das: